Mittwoch, 26. Juni 2019

Ein Plädoyer für die Vereinsarbeit

Vereinsarbeit warum? Darum!


Vor ca. 8 Jahren bin ich in die Musikgesellschaft Frauenkappelen #mgfrauenkppelen (www.mgfrauenkappelen.ch) eingetreten. Ein Musikverein im Berner Mittelland, mit den üblichen Herausforderungen: Überalterung, fehlender Nachwuchs und die Schwierigkeit, Vereinschargen besetzen zu können. Nach meinem Eintritt demissionierte der Präsident, interimsmässig bekleidete der Ehrenpräsident das Präsidentenamt, schlussendlich liess ich mich zur Vereinspräsidentin wählen.

Die Herausforderungen für mich liessen nicht lange auf sich warten.....nach über 10-jähriger Direktionsarbeit, demissionierte unser Dirigent aus nachvollziehbaren Gründen. Nach einer interimistischen musikalischen Leitung, konnten wir einen neuen Dirigenten für unseren Verein gewinnen. Ich stellte mich darauf ein, dass das Thema "Dirigentensuche" nun wieder für einige Zeit erledigt war...…..leider nein! Aus wiederum sehr nachvollziehbaren, familiären Gründen musste der gewählte Dirigent sein Amt nach kurzer Zeit ablegen. Zum Glück durften wir wieder auf denselben interimistischen Dirigenten "zurückgreifen" wie kurze Zeit vorher. Wieder begann die Suche nach einem musikalischen Leiter. Wieder begannen wir die Zusammenarbeit mit einem neuen Dirigenten, doch noch bevor wir diesen an der HV wählen konnten, teilte er uns mit, dass er sich die Zukunft mit uns nicht vorstellen konnte......hmmmm….langsam aber sicher begann ich an mir und uns zu zweifeln und fragte ich mich manchmal: "Was für ein komischer Verein sind wir eigentlich?" Wieder machten wir uns auf die Suche: Inserat schalten, Bewerbungen prüfen, Gespräche führen, Vordirektionen organisieren....das gefühlt zum 100. Mal in etwa zwei Jahren....Endlich, im Frühsommer 2016 schien mir, dass wir einen Dirigenten wählten, wo zumindest die Möglichkeit einer längeren Zusammenarbeit bestand. Doch bereits 2 Jahre später kündigte er die Anstellung kurzfristig innerhalb eines Monates, es zog ihn wieder zurück in seine Heimat. Der ungünstigste Zeitpunkt überhaupt: Der Verein stand vor dem 100-jährigen Vereinsjubiläum und die Anmeldung für das Kantonale Musikfest ein Jahr später war raus...so, was ist zu tun? Der musikalische Betrieb konnten wir wiederum interimistisch sicherstellen. Und "täglich grüsst das Murmeltier"....die Suche nach einem neuen Dirigenten Vol. 4 ging von vorne los....Per Ende Dezember 2018 konnten wir wiederum einen Dirigenten rekrutieren, mit dem wir in das 100. Vereinsjahr starteten.

Neben der ständigen Dirigentensuche, haben wir die ganz normalen Vereinsherausforderungen zu managen, die ein aktives Vereinsleben mit sich bringen. Anfang 2019 war ich verunsichert, ob wir den Verein mit unseren Zielen und unserem Programm (Jubiläumskonzert, Vereinsreise mit Unterhaltungskonzert, Teilnahme am Kant. Musikfest mit Wettbewerbscharakter) und mit neuer musikalischer Leitung, nicht doch etwas überfordern werden? Ich sagte mir "Augen zu und durch" und "den Mutigen gehört die Welt", dann sehen wir, was rauskommt.
So, das ist soweit der "Kurzabriss" der Geschichte aus meiner Sicht gesehen.

Warum schreibe ich diese Geschichte? Alle, die freiwillig Vereinsarbeit leisten, kennen meine Gedanken, die ich während den vergangenen Jahren ab und an hatte: "Warum mache ich das? Eigentlich gibt es noch andere Vereinsmitglieder, die auch mal ran könnten; Jetzt reichts, ich mag nicht mehr; eigentlich hätte ich auch Gescheiteres zu tun" etc.

Seit dem letzten Samstag weiss ich, warum sich die Vereinsarbeit lohnt: Am kantonalen Musikfest erreichten wir von insgesamt 30 Musikgesellschaften in unserer Kategorie den hervorragenden 8. Rang! Die Emotionen, die ich durch dieses Resultat erleben durfte, sind unerreicht!! Mitglieder mit Freudentränen in den Augen, die Gewissheit, im Team etwas erreicht zu haben, das völlig unerwartet war und wo alle über sich herausgewachsen sind und alles gegeben haben. Diese Emotionen können, auch in unserer individualisierten, nach und nach virtualisierten Welt, nach meinem Dafürhalten nur im Team und in der Gemeinschaft erreicht und erlebt werden!

Nun, damit schlussendlich dieser Erfolg möglich war, braucht es Vorstandsmitglieder, die mithelfen den "Karren" zu ziehen, die mithelfen daran zu glauben, dass es sich lohnt, es braucht Mitglieder, die sich motivieren und mitreissen lassen und dann braucht es Personen, die einen sachlich, fachlich und moralisch unterstützen. Ich denke da etwa an Personen, die interimistisch die Direktion übernommen haben oder an Musikanten, die uns immer wieder aushelfen kommen. Und es braucht den Mut zuzulassen, dass ein System im positiven Sinn an seine Grenzen gebracht wird und dass neue unkonventionelle Wege mit Überzeugung gegangen und durchgesetzt werden. Dies gelang unserer neuen musikalischen Leitung ohne Zweifel sehr gut!

Liebe Vereinsfunktionäre: Hört niemals auf, daran zu glauben, dass sich eure Arbeit lohnt. Auch wenn es etwas dauert bin ich überzeugt, dass ihr für euer Engagement belohnt werdet. In diesem Sinne wünsche ich allen Vereinsfunktionären viel Durchhaltewille und irgendeinmal der verdiente Erfolg! Bleibt dran, es lohnt sich auf jeden Fall!