Sonntag, 9. Juli 2023

Ein Plädoyer für die Vereinsarbeit Vol. 2

Vor einiger Zeit habe ich meinen ersten Blog darüber geschrieben, wieso sich die Vereinsarbeit aus meiner Optik gesehen lohnt. Ziemlich genau vier Jahre und eine Pandemie später, ist bei mir erneut das Bedürfnis entstanden, einen Blog-Beitrag zum selben Thema zu schreiben.

Wie erwähnt, war unsere Gesellschaft im Jahr 2020 und für die Dauer von rund zwei Jahren von einer Pandemie betroffen. Zur Bewältigung der Pandemie gehörte unter Anderem, dass das gemeinsame Musizieren während längerer Zeit staatlich verboten wurde. Mitte März 2020, von einem Tag auf den anderen (die MG Frauenkappelen hatte eben noch gerade ihre Hauptversammlung abgehalten 😏) war gemeinsames Musizieren untersagt. Damit ging auch einher, dass die wöchentliche Musikprobe nicht mehr statt fand, dass unser geplantes Konzert im Frühling nicht stattfinden konnte und an die Durchführung und Teilnahme an Musikfesten war nicht zu denken. Von einem Tag auf den Anderen stand jegliches Vereinsleben still und als Funktionärin in einem Verein rieb Frau sich die Augen und frage sich: "Und jetzt?"

Im Vereinsvorstand trieben uns viele Fragen umher: Wird es uns gelingen, den Verein zusammen zu halten? Bleiben die Mitglieder:innen dem Verein und ihrem Hobby treu oder ist dieser staatlich verordnete Unterbruch gerade ein willkommener Grund, um das Hobby an den Nagel zu hängen? Was passiert finanziell? Ich war unendlich dankbar, dass es meinen Kolleg:innen im Vorstand und unserem damaligen Dirigenten genau so wichtig war wie mir, dass wir in irgend einer Form unser Vereinsleben weiter gestalten sollten. Mit diesem Entscheid leisteten wir einen wesentlichen Beitrag an ein Umfeld, dass sich für unsere  Mitglieder:innen wohl motivierend anfühlte. Wir organisierten einen virtuellen Stammtisch via Skype und begannen, in Kleingruppen und mit GROSSEM Abstand zu musizieren, als dies wieder gestattet war. Dank unserem grosszügigen Probelokal war dies ohne Probleme möglich. Dieser Vereinsbetrieb war dann etwa für die nächsten 1.5 Jahre Standard, mal war mehr möglich, mal weniger. Die Pandemie und sämtliche Bewältigungsmassnahmen hatten im Frühjahr 2022 ein Ende und wir schalteten in den "courant normal". Glücklicherweise haben wir aufgrund dieses Unterbruchs keine Mitglieder:innen verloren und es gelang uns, relativ rasch vom Krisenmodus zurück in den Gestaltungsmodus zu schalten. Das war vor ca. 16 Monaten.

Was sich in unserem Verein in diesen 16 Monaten entwickelt hat, erfüllt mich mit grosser Dankbarkeit und auch mit Stolz. Wir spielten drei gute bis sehr gute Konzerte (Mai und Dezember 2022, Frühling 2023), nahmen am mittelländischen Musiktag 2023 zu unserem Vortrag gute bis sehr gute und wertschätzende Kritik entgegen und erlebten gemeinsam eine wunderschöne Musikreise zu unserem befreundeten Verein, dem MV Neuthard. Und eigentlich gab diese Vereinsreise den Anstoss zu diesem Blog. Die Reise war geprägt von einem tollen musikalischen Auftritt und ich nahm einen wunderbaren Teamspirit wahr! Alt und Jung sass gemeinsam zusammen, niemand war aussen vor, alle haben mitgemacht und die Verbundenheit mit unseren Freund:innen des MV Neuhtard konnte weiter gestärkt werden. Ein Zeugnis davon ist auch, dass unsere jüngern Mitglieder:innen am Sonntag gemeinsam mit der Jugendband des MV Neuthard musizierten. Einfach toll!

All diese Faktoren und Ereignisse sind Zeugnis davon, dass sich die Arbeit des Vorstandes und der musikalischen Leitung in den letzten Jahren nun auszuzahlen beginnt! Es gelingt uns aktuell neue Mitglieder:innen für unseren Verein zu gewinnen UND, darüber freue mich mich ganz besonderes, auch jüngere Gesichter (wirklich jüngere, u20 😏) ergänzen unsere Reihen. Noch besser, die neuen Mitglieder:innen fühlen sich sehr gut integriert, bringen sich ein, gestalten mit und helfen, das Vereinsschiff weiterhin auf Kurs zu halten.

Warum schreibe ich das? Diese Erfahrungen und Erlebnisse lehren mich und uns, dass es sich lohnt, dran zu bleiben und in schwierigen, herausfordernden Situationen zu versuchen, etwas Positives zu gestalten. Die Bemühungen werden wahrgenommen und wirken sowohl vereinsintern und vereinsextern und es scheint, dass wir nun eine "erste Ernte einfahren können". Damit das funktioniert, benötigt es Mitglieder:innen, die mitziehen und Vorstandskolleg:innen, die Ideen einbringen und mittragen. Und es braucht ALLE!

Dieser Rückblick erlaubt uns, stolz auf das Erreichte zu sein, uns kurz auf den Lorbeeren auszuruhen und weiter zu gehen. Leider ist es unserer aktuellen Dirigentin nicht möglich, ihre super Arbeit aus dem letzten halben Jahr bei uns fortzuführen und so sind wir aktuell (leider) wieder auf der Suche nach einer neuen musikalischen Leitung. Ich bin überzeugt, dass es uns früher oder später gelingen wird, auch diese Vakanz zu schliessen und unseren eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. Also, bleiben wir dran um weiterhin gemeinsam solche Erlebnisse zu geniessen. Vergessen wir nicht: Vereinsarbeit lohnt sich!

Herzlichen Dank für alles, liebe Mitglieder:innen der MG Frauenkappelen!


Mittwoch, 26. Juni 2019

Ein Plädoyer für die Vereinsarbeit

Vereinsarbeit warum? Darum!


Vor ca. 8 Jahren bin ich in die Musikgesellschaft Frauenkappelen #mgfrauenkppelen (www.mgfrauenkappelen.ch) eingetreten. Ein Musikverein im Berner Mittelland, mit den üblichen Herausforderungen: Überalterung, fehlender Nachwuchs und die Schwierigkeit, Vereinschargen besetzen zu können. Nach meinem Eintritt demissionierte der Präsident, interimsmässig bekleidete der Ehrenpräsident das Präsidentenamt, schlussendlich liess ich mich zur Vereinspräsidentin wählen.

Die Herausforderungen für mich liessen nicht lange auf sich warten.....nach über 10-jähriger Direktionsarbeit, demissionierte unser Dirigent aus nachvollziehbaren Gründen. Nach einer interimistischen musikalischen Leitung, konnten wir einen neuen Dirigenten für unseren Verein gewinnen. Ich stellte mich darauf ein, dass das Thema "Dirigentensuche" nun wieder für einige Zeit erledigt war...…..leider nein! Aus wiederum sehr nachvollziehbaren, familiären Gründen musste der gewählte Dirigent sein Amt nach kurzer Zeit ablegen. Zum Glück durften wir wieder auf denselben interimistischen Dirigenten "zurückgreifen" wie kurze Zeit vorher. Wieder begann die Suche nach einem musikalischen Leiter. Wieder begannen wir die Zusammenarbeit mit einem neuen Dirigenten, doch noch bevor wir diesen an der HV wählen konnten, teilte er uns mit, dass er sich die Zukunft mit uns nicht vorstellen konnte......hmmmm….langsam aber sicher begann ich an mir und uns zu zweifeln und fragte ich mich manchmal: "Was für ein komischer Verein sind wir eigentlich?" Wieder machten wir uns auf die Suche: Inserat schalten, Bewerbungen prüfen, Gespräche führen, Vordirektionen organisieren....das gefühlt zum 100. Mal in etwa zwei Jahren....Endlich, im Frühsommer 2016 schien mir, dass wir einen Dirigenten wählten, wo zumindest die Möglichkeit einer längeren Zusammenarbeit bestand. Doch bereits 2 Jahre später kündigte er die Anstellung kurzfristig innerhalb eines Monates, es zog ihn wieder zurück in seine Heimat. Der ungünstigste Zeitpunkt überhaupt: Der Verein stand vor dem 100-jährigen Vereinsjubiläum und die Anmeldung für das Kantonale Musikfest ein Jahr später war raus...so, was ist zu tun? Der musikalische Betrieb konnten wir wiederum interimistisch sicherstellen. Und "täglich grüsst das Murmeltier"....die Suche nach einem neuen Dirigenten Vol. 4 ging von vorne los....Per Ende Dezember 2018 konnten wir wiederum einen Dirigenten rekrutieren, mit dem wir in das 100. Vereinsjahr starteten.

Neben der ständigen Dirigentensuche, haben wir die ganz normalen Vereinsherausforderungen zu managen, die ein aktives Vereinsleben mit sich bringen. Anfang 2019 war ich verunsichert, ob wir den Verein mit unseren Zielen und unserem Programm (Jubiläumskonzert, Vereinsreise mit Unterhaltungskonzert, Teilnahme am Kant. Musikfest mit Wettbewerbscharakter) und mit neuer musikalischer Leitung, nicht doch etwas überfordern werden? Ich sagte mir "Augen zu und durch" und "den Mutigen gehört die Welt", dann sehen wir, was rauskommt.
So, das ist soweit der "Kurzabriss" der Geschichte aus meiner Sicht gesehen.

Warum schreibe ich diese Geschichte? Alle, die freiwillig Vereinsarbeit leisten, kennen meine Gedanken, die ich während den vergangenen Jahren ab und an hatte: "Warum mache ich das? Eigentlich gibt es noch andere Vereinsmitglieder, die auch mal ran könnten; Jetzt reichts, ich mag nicht mehr; eigentlich hätte ich auch Gescheiteres zu tun" etc.

Seit dem letzten Samstag weiss ich, warum sich die Vereinsarbeit lohnt: Am kantonalen Musikfest erreichten wir von insgesamt 30 Musikgesellschaften in unserer Kategorie den hervorragenden 8. Rang! Die Emotionen, die ich durch dieses Resultat erleben durfte, sind unerreicht!! Mitglieder mit Freudentränen in den Augen, die Gewissheit, im Team etwas erreicht zu haben, das völlig unerwartet war und wo alle über sich herausgewachsen sind und alles gegeben haben. Diese Emotionen können, auch in unserer individualisierten, nach und nach virtualisierten Welt, nach meinem Dafürhalten nur im Team und in der Gemeinschaft erreicht und erlebt werden!

Nun, damit schlussendlich dieser Erfolg möglich war, braucht es Vorstandsmitglieder, die mithelfen den "Karren" zu ziehen, die mithelfen daran zu glauben, dass es sich lohnt, es braucht Mitglieder, die sich motivieren und mitreissen lassen und dann braucht es Personen, die einen sachlich, fachlich und moralisch unterstützen. Ich denke da etwa an Personen, die interimistisch die Direktion übernommen haben oder an Musikanten, die uns immer wieder aushelfen kommen. Und es braucht den Mut zuzulassen, dass ein System im positiven Sinn an seine Grenzen gebracht wird und dass neue unkonventionelle Wege mit Überzeugung gegangen und durchgesetzt werden. Dies gelang unserer neuen musikalischen Leitung ohne Zweifel sehr gut!

Liebe Vereinsfunktionäre: Hört niemals auf, daran zu glauben, dass sich eure Arbeit lohnt. Auch wenn es etwas dauert bin ich überzeugt, dass ihr für euer Engagement belohnt werdet. In diesem Sinne wünsche ich allen Vereinsfunktionären viel Durchhaltewille und irgendeinmal der verdiente Erfolg! Bleibt dran, es lohnt sich auf jeden Fall!